Die Grundlage für die im Deutschunterricht verwendete grammatische Terminologie bildet das „Verzeichnis grundlegender grammatischer Fachausdrücke“, das die Kultusministerkonferenz zustimmend am 26.2.1982 zur Kenntnis genommen hat. Obwohl diese Terminologieliste bereits kurz nach ihrem Erscheinen heftige Diskussionen hervorgerufen hat und zentrale Probleme dieser Liste auch in jüngerer Zeit wieder thematisiert wurden, hat sie nach wie vor bildungspolitische Gültigkeit etwa als Grundlage für die Lehrbucherstellung. Dabei genügt die Liste weder aktuellen linguistischen Standards noch ist sie auf die aktuelle Kompetenzdiskussion abgestimmt.

Im November 2009 hat sich der „Gießener Kreis“ konstituiert. Der Runde Tisch, dem namhafte Grammatiker und Sprachdidaktiker angehören, hat sich zum Ziel gesetzt, einen neuen Vorschlag zur schulgrammatischen Terminologie zu erarbeiten.

Eine revidierte Terminologieliste kann weder ein Allheilmittel für einen desolaten Grammatikunterricht sein noch umfassende sprachdidaktisch-konzeptionelle Überlegungen zur Gestaltung eines kompetenz- und lernerorientierten Deutschunterrichts ersetzen. Die Überlegungen der Arbeitsgruppe werden von der Überzeugung getragen, dass die grammatische Terminologie dennoch ihren festen Platz im schulischen Deutschunterricht behalten sollte, da sie Standardisierungsmöglichkeiten schafft, wie sie sonst in einem so „weichen“ Fach wie Deutsch nicht zu finden sind. Eine solche Standardisierung aufzugeben, wäre fahrlässig, zumal die verwendeten Termini nicht nur fachintern, sondern auch fachübergreifend bedeutsam sind, da sich jedes Unterrichten und Lernen sprachlich vollzieht. Den besonderen Reiz in einer revidierten Terminologieliste sieht die Arbeitsgruppe darüber hinaus darin, dass die grammatische Terminologie eine Schnittstelle zwischen den kompetenzorientierten Bildungsstandards und der konkreten Lehrbuch- und Unterrichtsgestaltung bilden könnte.

Geplant ist eine Liste grammatischer Termini, die die wichtigsten grammatischen Termini vom Laut über Wort und Satz bis hin zum Text umfasst. Da sich eine mehrjährige Bearbeitungsdauer abgezeichnet hat, hat sich die Gruppe entschlossen, die Zwischenergebnisse zu einzelnen Themenkomplexen auf dieser Seite zu veröffentlichen. Als erstes Teilergebnis liegt die Ausarbeitung zum Themenkomplex „Einfacher Satz“ vor. Als nächstes werden die Themengebiete „Komplexer Satz“ und „Wort“ bearbeitet.

Im Gegensatz zu früheren Zusammenstellungen grammatischer Termini werden diese nicht nur einfach aufgelistet, sondern die einzelnen Termini werden in tabellarischer Form durch Definitionen, Erläuterungen, Beispiele, Kommentare und Problemlösestrategien (operationale Verfahren) ergänzt. Diese Darstellungsform trägt einerseits der Einschätzung Rechnung, dass eine Terminologieliste ohne Erläuterungen zum zugrunde liegenden Begriffsverständnis nicht den Status einer vereinheitlichten Terminologie haben kann, da die Termini dann nur Etiketten für möglicherweise verschiedenste begriffliche Füllungen sind. Andererseits erwies sich diese gegenüber früheren Listen ausführlichere Darstellungsform als notwendig, weil der Konsens der Gruppe, den die Liste widerspiegelt, nicht auf eine Referenzgrammatik des Gegenwartsdeutschen abbildbar ist. Die Terminologieliste kann folglich nicht etwa als Begleitpapier zur Duden-Grammatik oder zur Grammatik von bspw. Peter Eisenberg oder Gerhard Helbig und Joachim Buscha gelesen werden.

 

 

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